Viele Fahrer schauen kurz hin, zucken mit den Schultern und fahren einfach weiter.
Dieser kleine rot-weiße Kreis kann Sie unbemerkt sehr viel Geld kosten.
In ganz Europa und im Vereinigten Königreich sehen sich Autofahrer täglich einer ganzen Armee von Verkehrszeichen gegenüber. Manche leiten den Verkehr. Manche warnen vor Gefahren. Und einige, weniger bekannte, können eine ganz normale Fahrt im Handumdrehen in eine sehr teure Lektion verwandeln.
Der rätselhafte rot-weiße Kreis, der „sofort anhalten“ bedeutet
Wenn Menschen an ein „obligatorisches Anhalten“ denken, kommt ihnen meist ein Schild in den Sinn: das klassische rote Achteck mit „STOP“ in Weiß. Es gibt jedoch noch eine weitere Gruppe von Schildern, die genau dieselbe Pflicht auferlegen – und viele Autofahrer erkennen sie kaum.
Auf europäischen Straßen, auch auf denen, die britische Urlauber auf dem Kontinent nutzen, kann ein rundes Schild mit rotem Rand und weißer Mitte ein einziges Wort tragen: DOUANE, POLICE oder GENDARMERIE. Das ist keine höfliche Bitte. Es ist eine rechtlich verbindliche Anordnung, das Fahrzeug vollständig zum Stillstand zu bringen.
Dieses runde Schild mit rotem Rand hat die gleiche Wirkung wie ein Stoppschild: Sie müssen vollständig anhalten, auch wenn die Straße frei aussieht.
Diese Schilder fallen unter die Kategorie „B“ der Wiener Konvention über Straßenverkehrszeichen, der viele europäische Länder folgen. Sie wirken schlicht, fast minimalistisch – vielleicht werden sie deshalb so oft unterschätzt.
Dauerhafte Stopps: das Grenz- und Zollkontrollschild
Eine der bekanntesten Varianten ist das Zeichen B4. Wer in Europa über Landgrenzen fährt, hat es wahrscheinlich schon dutzendfach gesehen, ohne groß darüber nachzudenken.
- Form: rund
- Rand: rot
- Hintergrund: weiß
- Text: „DOUANE“ oder „CUSTOMS“, oft zweisprachig
Das B4-Zeichen kennzeichnet einen verpflichtenden Halt an einer Zollstelle. Selbst wenn die Spur leer wirkt und der Schalter unbesetzt ist, ändert sich die Regel nicht: Das Fahrzeug muss an der Linie bzw. am Kontrollpunkt vollständig zum Stillstand kommen. Beamte arbeiten teils in Schichten, und Kameras können Fahrzeuge erfassen, die nicht anhalten.
Einen Zollstopp zu überspringen, weil „niemand da zu sein schien“, gilt als Missachtung einer rechtmäßigen Anordnung – nicht als harmloser Trick.
Mobile Stopps: Polizeikontrollen und Straßensperren
Noch verwirrender wird es, wenn das Schild nicht fest installiert ist. Dann kommen die B5-Schilder ins Spiel. Sie tauchen scheinbar aus dem Nichts auf – oft spät in der Nacht, bei Sonderaktionen, nach Unfällen oder bei Sicherheitskontrollen.
Drei häufige Varianten auf europäischen Straßen sind:
| Code | Wer nutzt es? | Typische Aufschrift | Art |
|---|---|---|---|
| B5a | Gendarmerie / Landpolizei | „STOP GENDARMERIE“ | mobil |
| B5b | Polizei | „STOP POLICE“ | mobil |
| B5c | Straßen- / Mautbetreiber | „STOP PÉAGE“ oder Mauthinweis | überwiegend dauerhaft |
Gendarmen oder Polizisten führen diese Tafeln im Fahrzeug mit und stellen sie in wenigen Sekunden auf. Sie können kurz vor einer Kurve, am Ortseingang, auf einer Auffahrt oder vor einem Mautbereich platziert werden. Sie dienen einem einzigen Zweck: alle Fahrzeuge zu zwingen, vor dem Kontrollpunkt anzuhalten.
Für britische Autofahrer auf dem Weg zu Skigebieten, Stränden oder europäischen Städten kann so ein mobiles Schild ohne Vorwarnung auftauchen – mitten in der Nacht, bei Regen, wenn die Konzentration nachlässt. Es zu ignorieren, kann aus einer Urlaubsfahrt schnell ein juristisches Problem machen.
Was das Gesetz von Ihnen an diesen Schildern verlangt
Manche Fahrer behandeln „STOP POLICE“ oder „STOP CUSTOMS“ wie eine dringende Empfehlung. Sie bremsen ab, schauen kurz – und rollen im Schritttempo weiter. Rechtlich bleibt das ein Verstoß.
Um zu entsprechen, muss das Fahrzeug vollständig zum Stillstand kommen – die Räder dürfen sich für mindestens einen kurzen Moment nicht mehr drehen.
In weiten Teilen Europas gilt dabei sinngemäß dieselbe Regel wie beim klassischen Stoppschild:
- Ihr Auto muss vor der Linie, Schranke oder dem Beamten anhalten.
- Sie müssen lange genug warten, um die Situation zu prüfen und zu zeigen, dass Sie nachgeben.
- Sie fahren erst weiter, wenn Beamte oder Markierungen klar machen, dass Sie weiterfahren dürfen.
Polizeibehörden empfehlen oft, zwei bis drei Sekunden zu pausieren, in beide Richtungen zu schauen und erst dann weiterzufahren. Diese kurze Pause zeigt eindeutig, dass Sie dem Schild Folge leisten – und gibt Beamten Zeit, Ihnen ein Zeichen zu geben, falls sie Sie anhalten möchten.
Der Preis, wenn man einen Pflichtstopp ignoriert
Nicht an einem Zollschild, einem Schild für eine Polizeikontrolle oder einem dauerhaften Stopppanel anzuhalten, bleibt selten unbemerkt. Moderne Kontrollen arbeiten mit Kameras, Dashcams in Streifenwagen und Videoanlagen an Mautstellen – so lassen sich Fahrzeuge später leicht identifizieren.
In Frankreich müssen Fahrer, die einen Pflichtstopp missachten, zum Beispiel mit Folgendem rechnen:
- Ein Verwarnungsgeld von rund 135 € bei einem Standardverstoß
- Vier Punkte Abzug vom Führerschein
- Mögliche Führerscheinentziehung/ -sperre, wenn das Verhalten als gefährlich eingestuft wird oder wiederholt vorkommt
Andere europäische Länder verhängen ähnliche Sanktionen. Für ausländische Fahrer können unbezahlte Bußgelder durch grenzüberschreitende Vollstreckungsabkommen auch im Heimatland verfolgt werden. In manchen Fällen wird das Nichtanhalten an einer Kontrollstelle nicht nur als Verkehrsverstoß, sondern als Weigerung, einer Polizeianordnung Folge zu leisten, gewertet – mit deutlich härteren Folgen.
Aus Sicht des Beamten kann ein Auto, das trotz Anordnung nicht anhält, flüchten wollen, Schmuggelware transportieren oder Alkohol am Steuer verbergen.
Hier steigt das Risiko schnell. Was der Fahrer als lockeres „Durchrollen“ sieht, kann in Polizeiberichten wie ein Fluchtversuch wirken. Dieser Unterschied in der Wahrnehmung erklärt, warum Kontrollen an Grenzen, Häfen und Mautplätzen rechtlich streng abgesichert sind.
Warum Behörden auf diese weniger bekannten Schilder setzen
Diese runden rot-weißen Schilder dienen nicht nur der Einnahmensicherung. Behörden nutzen sie als Werkzeug, um Fahrzeugströme an strategischen Punkten zu steuern und Risiken unter Kontrolle zu halten.
Typische Einsätze sind:
- Gezielte Alkohol- und Drogentests nach Großveranstaltungen
- Grenzsicherheitsaktionen gegen Schmuggler oder Menschenhändler
- Verkehrssicherheitskampagnen auf unfallträchtigen Strecken
- Notlagen, etwa Chemieunfälle oder schwere Unfälle weiter vorne
Indem jeder Fahrer zum Anhalten gezwungen wird – oder sich zumindest darauf vorbereitet –, können Polizisten unaufmerksame Fahrer schnell von denen trennen, die ruhig und vorhersehbar handeln. Das klare visuelle Signal beruhigt außerdem den Verkehrsfluss und schützt Beamte, die nachts auf der Fahrbahn stehen.
Wie Sie reagieren sollten, wenn Sie einem solchen Schild begegnen
Für Fahrer aus dem Vereinigten Königreich und den USA, die in Europa ein Auto mieten, ist die sicherste Strategie einfach: Behandeln Sie jedes runde Schild mit rotem Rand und der Aufschrift „STOP POLICE“, „STOP DOUANE“ oder ähnlichem als absolutes Rotlicht.
Bremsen Sie frühzeitig, setzen Sie den Blinker, schalten Sie herunter und nähern Sie sich so, als könnte jederzeit ein Kind auf die Straße laufen.
Fünf praktische Schritte helfen, Probleme zu vermeiden:
- Erkennen Sie das Schild früh und gehen Sie sofort vom Gas.
- Prüfen Sie die Spiegel, damit Sie wissen, wer beim Bremsen hinter Ihnen ist.
- Blinken Sie, wenn Sie die Spur wechseln oder in einen mit Pylonen markierten Bereich fahren müssen.
- Halten Sie dort an, wo es vorgegeben ist: an der Linie, vor den Pylonen oder neben dem Beamten.
- Fahren Sie erst wieder an, wenn ein klares Handzeichen oder Signal erfolgt.
An Grenzen und Mautstellen winkt man Sie möglicherweise ohne großes Interesse durch. Bei Polizeikontrollen kann man Dokumente verlangen, Sicherheitsgurte prüfen oder einen schnellen Atemalkoholtest durchführen. Ruhig zu bleiben – Fenster leicht geöffnet, Motor im Leerlauf, beide Hände sichtbar am Lenkrad – macht die Situation in der Regel kurz.
Extra-Tipps für Vielfahrer über Grenzen hinweg
Für Pendler und Lkw-Fahrer, die mehrmals pro Woche Grenzen passieren, werden diese Schilder schnell zur Hintergrundkulisse. Diese Vertrautheit kann Gewohnheiten erzeugen, die langsam in Richtung Illegalität rutschen – etwa rollende Stopps oder unaufmerksames Heranfahren mit dem Handy in der Hand.
Eine hilfreiche mentale Regel lautet, jedes B4- oder B5-Schild wie einen Kontrollpunkt zu behandeln, den Sie noch nie zuvor gesehen haben. Das hält die Aufmerksamkeit hoch – selbst auf einer Strecke, die Sie auswendig kennen. Fuhrparkleiter können das unterstützen, indem sie diese Schilder in Fahrerschulungen aufnehmen, zusammen mit Erinnerungen an Bußgelder und Punkte in jedem Einsatzland.
Für gelegentliche Reisende lohnt sich ein kurzer Blick auf unbekannte europäische Verkehrszeichen vor der Abfahrt. Viele nationale Verkehrssicherheitsstellen veröffentlichen einfache Übersichten zu wichtigen ausländischen Schildern. Ein einseitiger Spickzettel im Handschuhfach wirkt vielleicht altmodisch – kann aber genau den „Das wusste ich nicht“-Moment verhindern, der sonst mit einem hohen Bußgeld und einem nervösen Gespräch am Straßenrand endet.
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