Zwischen umweltfreundlichen Versprechen, auffälligem Marketing und steigenden Preisen kann die Wahl eines Waschmittels für so eine einfache Hausarbeit erstaunlich stressig wirken.
Die französische Verbraucherorganisation 60 Millions de consommateurs hat Dutzende Waschmittel harten Tests unterzogen – und ein eher unscheinbares Produkt für 4,50 € landete auf Platz eins. Hinter diesem Ergebnis steckt jedoch eine größere Geschichte darüber, was Sie tatsächlich in Ihre Waschmaschine, auf Ihre Kleidung und in Ihr Abwasser geben.
Warum ein günstiges Waschmittel plötzlich Schlagzeilen machte
Supermarktregale sind voll mit Caps, Pulvern und Flüssigwaschmitteln – jedes verspricht gründlichere Reinigung, strahlendere Farben oder sanftere Rezepturen. Viele greifen zu dem, was gerade im Angebot ist, oder bleiben bei Gewohnheiten. Dennoch enthalten viele Produkte weiterhin aggressive Stoffe – oder enttäuschen, sobald man Duft und Schaum ausblendet.
Um Klarheit zu schaffen, führte 60 Millions de consommateurs 2023 einen Vergleichstest mit zahlreichen in Frankreich verkauften Waschmitteln durch. Der Ansatz ähnelt dem von Verbraucherorganisationen in Großbritannien und den USA: geprüft wurde nicht nur die Waschleistung, sondern auch die Wirkung auf Gesundheit, Umwelt und das Haushaltsbudget.
Das beste Produkt war weder das teuerste noch das am aggressivsten beworbene. Es war ein einfaches Flüssigwaschmittel einer Handelsmarke – für rund 4,50 €.
Dieses Ergebnis widerspricht einem verbreiteten Reflex: Viele glauben noch immer, dass ein höherer Preis automatisch bessere Leistung und sicherere Inhaltsstoffe bedeutet. Der Test legt nahe, dass diese Annahme nicht mehr trägt.
Wie 60 Millions die Waschmittel getestet hat
Die Verbraucherorganisation bewertete die Waschmittel anhand mehrerer konkreter Kriterien. Jedes Produkt erhielt eine Gesamtnote, die technische Leistung und weitere Auswirkungen kombinierte.
Die wichtigsten Faktoren hinter der Rangliste
- Waschleistung: Entfernung typischer Flecken wie Fett, Schlamm, Essen, Schweiß und Make-up.
- Textilschonung: Schonung empfindlicher Fasern wie Wolle, Kaschmir oder Seide sowie Farberhalt bei dunkler und bunter Wäsche.
- Gesundheitliche Auswirkungen: Vorkommen reizender oder sensibilisierender Stoffe, die Allergien oder Hautreaktionen auslösen können.
- Umweltbilanz: biologische Abbaubarkeit der Inhaltsstoffe, Potenzial zur Gewässerbelastung und Einsatz problematischer Chemikalien.
- Preis pro Waschgang: Wirtschaftlichkeit, nicht nur der Regalpreis.
Im Labor wurden standardisierte Waschprogramme und identische Maschinen genutzt, um Verzerrungen zu vermeiden. Verglichen wurde bei den empfohlenen Dosierungen – wichtig, weil Überdosierung schwache Formeln kaschieren kann und zugleich Umweltbelastung und Kosten erhöht.
Ein als „gut“ bewertetes Waschmittel musste ordentliche Fleckentfernung, begrenzte Gesundheits- und Umweltbedenken sowie angemessene Kosten pro Waschladung vereinen.
Der Ausreißer nach oben: ein 4,50-€-Colorwaschmittel
Unter den Flüssigwaschmitteln für alltägliche Buntwäsche stach eine Referenz hervor: ein Colorwaschmittel der Marke Formil, eine Handelsmarke, die in europäischen Discounter-Supermärkten weit verbreitet ist. Es erhielt auf der französischen Ménag’Score-Skala ein „C“ (also durchschnittliche Gesamtleistung) – dennoch hebt 60 Millions es als kluge Wahl hervor.
Der Grund ist die Balance: akzeptable Leistung, eine im Vergleich zu vielen Konkurrenten kontrolliertere Zutatenliste und ein Preis um 4,50 € pro Flasche. Für Familien mit mehreren Waschgängen pro Woche macht dieser Unterschied viel aus.
| Produkttyp | Von 60 Millions hervorgehobenes Beispiel | Ungefähre Bewertung | Typischer Preis |
|---|---|---|---|
| Waschmittel für dunkle Wäsche | „Noir intense care“ mit Marseiller Seife | 14 / 20 | 3–5 € |
| Fein-/Wollwaschmittel | Woll- und Feinwaschmittel von Persil | 12 / 20 | mittleres Preisniveau |
| Allgemeines Colorwaschmittel | Formil Colours | Ménag’Score C | ca. 4,50 € |
Für dunkle Kleidung empfiehlt das Magazin ein Produkt, das als „Noir intense care mit Marseiller Seife“ verkauft wird. Es erreichte etwa 14/20 und zählt damit zu den besseren getesteten Optionen. Zudem bleibt es preislich attraktiv – je nach Geschäft etwa 3 bis 5 €.
Für empfindliche Fasern greifen die Tester zu Woll- und Feinwaschmitteln von Persil. Diese lagen bei rund 12/20. Das ist kein Spitzenergebnis, aber die Rezepturen zeigten einen sinnvollen Kompromiss zwischen Reinigungsleistung und Faserschutz – passend für Handwäscheteile und Schonprogramme.
Das Muster ist klar: Nischenprodukte für bestimmte Textilarten schnitten ordentlich ab, während ein unauffälliges 4,50-€-Colorwaschmittel als Empfehlung für den Alltag zum Arbeitstier wurde.
Die Waschmittel, die im Test durchfielen
Die zweite Schlagzeile betrifft bekannte Caps. Mehrere Pods von Ariel und Skip, in Europa weit verbreitet und auch in Großbritannien und den USA bekannt, landeten am Ende der Rangliste. Das Hauptproblem war nicht nur die Leistung, sondern das Umweltprofil bestimmter Inhaltsstoffe in den Rezepturen.
Ein weiteres Warnsignal kam von günstigen Marken, die mit traditionellem Image arbeiten. Bi-Dose-Caps von Leader Price und ein als Marseiller Seife beworbenes Flüssigwaschmittel von Apta wurden ebenfalls herausgestellt. Laut 60 Millions enthielten sie als reizend eingestufte Stoffe – ein Problem für Menschen mit empfindlicher oder reaktiver Haut.
- Ariel- und Skip-Caps: kritisiert wegen Zusammensetzungen, die die Tester als umweltunfreundlich bewerteten.
- Leader Price Bi-doses Power Duo: wegen potenziell reizender Stoffe für Nutzer beanstandet.
- Apta „Marseiller Seife“-Waschmittel: ebenfalls wegen Inhaltsstoffen hervorgehoben, die Hautreaktionen auslösen können.
Dieser Konflikt zwischen traditioneller Bildsprache – Marseiller Seife, „reiner“ weißer Schaum – und der tatsächlichen Zutatenliste zeigt, wie Marketing die Grenze zwischen Wahrnehmung und Realität verwischen kann. Ein nostalgisches Etikett garantiert keine sanfte Rezeptur.
Was das für Käufer in Großbritannien und den USA bedeutet
Der Test bezog sich auf in Frankreich verkaufte Produkte, doch die grundsätzlichen Erkenntnisse gelten grenzüberschreitend. Viele der genannten Marken sind international aktiv, passen Sortimente je nach Markt an, verfolgen aber ähnliche Strategien: Caps für Bequemlichkeit, klassische Flüssigwaschmittel als günstigere Option und „Eco“-Linien für umweltbewusste Kunden.
Um die französischen Erkenntnisse zu Hause anzuwenden, können britische und amerikanische Verbraucher beim Griff ins Waschmittelregal eine einfache Checkliste nutzen.
Praktische Tipps, bevor Sie eine Flasche auswählen
- Prüfen Sie den Preis pro Waschgang, nicht nur den Flaschenpreis. Caps sind oft teurer als Flüssigwaschmittel.
- Bevorzugen Sie parfümfreie oder schwach parfümierte Produkte, wenn jemand im Haushalt Ekzeme, Asthma oder Allergien hat.
- Achten Sie auf Hinweise zu biologischer Abbaubarkeit und zertifizierte Öko-Standards, lesen Sie aber trotzdem die Rückseite der Flasche.
- Nutzen Sie ein Spezialwaschmittel für dunkle Wäsche, um Ausbleichen und Vergrauen zu verlangsamen.
- Verwenden Sie Fein- oder Wollwaschmittel für Strickwaren, Dessous und technische Sporttextilien.
- Nicht überdosieren; moderne Maschinen und Waschmittel brauchen meist keine volle Kappe.
Marketing verkauft oft Bequemlichkeit und Duft. Ihre Haut und Ihre Flüsse vor Ort brauchen etwas Langweiligeres: Klarheit über Inhaltsstoffe, Zurückhaltung beim Parfüm und realistische Versprechen.
Mehr als nur der Preis: Gesundheit, Mikroplastik und Lebensdauer von Textilien
Moderne Waschmittel entfernen nicht nur Flecken. Sie beeinflussen subtil, wie lange Kleidung hält und wie viel Mikroplastik in Gewässer gelangt. Starke Tenside und hohe Alkalität können Fasern über die Zeit schwächen – besonders bei elastischen Materialien wie Leggings und Unterwäsche.
Duftstoffe und Konservierungsmittel sind ein weiteres Thema. Menschen mit empfindlicher Haut oder Haushalte mit Kindern bevorzugen womöglich kürzere Zutatenlisten, auch wenn der Duft weniger „frisch“ wirkt. Einige weit verbreitete Duftstoffe gehören zu Stoffgruppen, die bei einem kleinen, aber wachsenden Teil der Bevölkerung Kontaktallergien auslösen können.
Dann ist da Mikroplastik: Synthetische Kleidung verliert bei jedem Waschgang winzige Fasern. Die Waschmittelwahl kann das nicht vollständig verhindern, doch Schonprogramme, niedrigere Temperaturen und weniger aggressive Rezepturen reduzieren den Faserabrieb. Ein Waschmittel, das bei 30 °C gut reinigt, spart oft zugleich Energie und schont Textilien.
Wie Sie Ihr Waschmittel zu Hause testen können
Verbraucher haben selten Zugang zu Laboren – aber ein paar einfache Checks zeigen, ob ein Waschmittel zu Ihrem Haushalt passt:
- Nehmen Sie ein altes dunkles T‑Shirt und waschen Sie es wiederholt mit Ihrem üblichen Produkt; achten Sie nach zehn Waschgängen auf Ausbleichen oder einen grauen Schleier.
- Beobachten Sie Juckreiz oder Rötungen bei Familienmitgliedern, wenn Sie das Waschmittel wechseln; im Zweifel extra spülen oder auf eine hypoallergene Linie umsteigen.
- Machen Sie einen Fleckentest: Markieren Sie zwei identische Stoffstücke mit Kaffee oder Öl, waschen Sie eines mit dem bisherigen Waschmittel und das andere mit einer anderen Marke – bei gleicher Temperatur.
Diese kleinen Experimente kosten wenig, zeigen aber, ob die verlockende 4,50-€-Flasche in Ihrer Maschine, bei Ihrer Wasserhärte und mit Ihren Textilien wirklich überzeugt.
Die Untersuchung von 60 Millions de consommateurs sendet eine klare Botschaft: Eine solide Waschroutine braucht keine Premium-Pods oder grelle Versprechen. Ein gut ausgewähltes Basiswaschmittel – preislich wie die empfohlene 4,50-€-Option und durch transparente Tests gestützt – kann wirksam reinigen und zugleich Schäden an Haut, Kleidung und Umwelt begrenzen.
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