Der winzige Brühwürfel, den Sie in Suppen und Eintöpfe bröseln, kann in seiner glänzenden Hülle weit mehr verbergen als nur Geschmack.
In ganz Europa nehmen Verbraucherschutzorganisationen industrielle Brühwürfel inzwischen mit derselben Ernsthaftigkeit auseinander, die früher eher Softdrinks oder Frühstücksflocken vorbehalten war – und die Ergebnisse sollten Vielnutzerinnen und Vielnutzer kurz innehalten lassen.
Brühwürfel unter dem Mikroskop
In französischen Küchen – genauso wie in britischen und amerikanischen – sind Brühwürfel fast unsichtbar geworden. Man wirft einen in den Topf, er löst sich auf, und plötzlich schmeckt alles kräftiger. Keine Knochen hacken, kein stundenlanges Köcheln, kein Durcheinander.
Diese Bequemlichkeit hat sie zu einem Standard-Gewürz gemacht. Viele Hobbyköchinnen und -köche geben sie in Pastasaucen, Risottos, Aufläufe, sogar an Ofengemüse. Manche kombinieren sie mit ohnehin salzigen Zutaten, ohne zu merken, dass sie Salz auf Salz schichten.
Die Verbraucherorganisation UFC-Que Choisir, das einflussreiche französische Pendant zu Watchdogs wie Which? oder Consumer Reports, wollte wissen, was tatsächlich in diesen Würfeln steckt. Ihre neue Laboruntersuchung prüfte, wie viel Salz, Fett und Zusatzstoffe in beliebten Marken stecken – und welche Varianten in eine gesundheitsbewusste Küche passen.
Hinter dem Versprechen von „hausgemachtem Geschmack“ verhalten sich viele Brühwürfel eher wie gepresste Salzblöcke mit Aroma als wie echte Brühe.
Was in der Untersuchung tatsächlich getestet wurde
UFC-Que Choisir schickte 23 verschiedene Brühe-Produkte ins Labor. Das Sortiment deckte einen breiten Querschnitt der Supermarktregale ab: Fleischbrühen, Hühnerwürfel, Gemüsebrühe, klassische Blöcke, Pulver und flüssige Varianten. Sowohl konventionelle als auch Bio-Marken waren in der Stichprobe vertreten.
Die Bewertung blieb nicht beim Geschmack stehen. Fachleute prüften:
- Salzgehalt pro zubereiteter Portion
- Art und Menge der verwendeten Fette
- Vorhandensein von Zusatzstoffen wie Mononatriumglutamat (MSG)
- Qualität der Zutaten und Transparenz der Kennzeichnung
- Wie gut sich das Produkt auflöst und wie praktikabel es beim Kochen ist
- Gesamt-Nährwertprofil
Diese Kombination aus sensorischen und ernährungsbezogenen Kriterien erlaubte es dem Team, Brühwürfel hervorzuheben, die Geschmack liefern, ohne beim Natrium zu übertreiben oder stark auf künstliche Geschmacksverstärker zu setzen.
Wenn ein „einfacher“ Würfel zur Salzbombe wird
Die zentrale Sorge der Untersuchung: Viele industrielle Brühen enthalten auffallend viel Salz. Im schlimmsten Fall brachte eine einzige Tasse zubereiteter Brühe Verbraucherinnen und Verbraucher nahe an ein Viertel der maximalen täglichen Natriumzufuhr heran, die Gesundheitsbehörden empfehlen.
Schon eine Portion einiger Würfel liefert fast 25% der empfohlenen täglichen Salzobergrenze – lange bevor Sie auf dem Teller überhaupt nachwürzen.
Für Menschen, die ohnehin verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Käse, Wurstwaren oder Fertiggerichte essen, kann dieses zusätzliche „versteckte“ Natrium sie ohne klare Warnsignale deutlich über sichere Tageswerte bringen. Auf dem Etikett stehen Werte oft pro 100 Gramm Pulver oder pro Würfel – Konsumentinnen und Konsumenten müssen das dann im Kopf auf eine zubereitete Tasse oder eine Suppenportion umrechnen.
Warum zu viel Natrium problematisch ist
Gesundheitsbehörden in Europa und Nordamerika wiederholen dieselbe Botschaft: Die meisten Erwachsenen nehmen deutlich mehr Salz zu sich, als sie glauben. Ein hoher Natriumkonsum steht in Zusammenhang mit:
- Höherem Blutdruck, einem wichtigen Risikofaktor für Schlaganfälle und Herzerkrankungen
- Erhöhtem Risiko für eine langfristige Belastung der Nieren
- Wassereinlagerungen und Schwellungen bei manchen Personen
- Größeren Schwierigkeiten beim Management von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Wenn ein Produkt, das man „nur für den Geschmack“ nutzt, still und leise ein Viertel der Tagesgrenze in einer kleinen Portion liefern kann, werden Ernährungsfachleute hellhörig. Diese Sorge wächst, wenn Brühwürfel in Gerichte wandern, die ohnehin mit Sojasauce, gesalzener Butter oder Speck gewürzt sind.
Die schlechtesten Ergebnisse laut Verbraucherschutz
Unter den 23 getesteten Produkten fielen einige besonders negativ auf. Laut der Analyse von UFC-Que Choisir landeten drei Produkte am Ende des Rankings – wegen ihrer ungünstigen Zusammensetzung und ihres Nährwertprofils:
| Marke / Produkt | Typ | Hervorgehobene Hauptprobleme |
|---|---|---|
| Aldi Hühnerbrühwürfel | Geflügelwürfel | Sehr hoher Salzgehalt, unausgewogene Rezeptur |
| Knorr Viandox | Flüssigwürze | Hohe Natriumbelastung, Bedenken zur Zusammensetzung |
| Jumbo halal Rinderbrühwürfel | Rinderwürfel | Zu viel Salz, Qualität der Zutaten in Frage gestellt |
Diese Produkte fielen nicht nur aus Gourmet-Gründen durch. Der Verbraucherschutz verwies auf eine Mischung aus starker Salzung, stark verarbeiteten Fetten und Geschmacksverstärkern, die Fragen für den täglichen Einsatz aufwirft.
Die andere Seite: Es gibt auch bessere Optionen
Ganz so düster ist das Bild nicht. Einige Brühwürfel schnitten deutlich besser ab. Ein herausragendes Beispiel im Ranking war ein Bio-Gemüsewürfel ohne zugesetztes Salz der Marke Jardin Bio étic, der von den Testerinnen und Testern eine Spitzenbewertung erhielt.
Dieses Produkt zeigte, dass Brühe Geschmack und Praktikabilität liefern kann, ohne auf Berge von Natrium angewiesen zu sein. Die Rezeptur setzte auf Gemüse, Kräuter und Gewürze und entschied sich bewusst für eine salzfreie Formulierung – nicht nur als Marketing-Idee.
Wer zu salzreduzierten oder salzfreien Würfeln greift, kann Gerichte nach eigenen Maßstäben abschmecken – statt zu übernehmen, was die Fabrik vorgegeben hat.
MSG, Fett und andere „blinde Passagiere“
Salz war nur ein Kritikpunkt der Untersuchung. Eine weitere häufige Zutat vieler Würfel ist Mononatriumglutamat (MSG). Behörden erlauben den Einsatz, Sicherheitsagenturen stufen es in üblichen Mengen als akzeptabel ein – dennoch reißt die Debatte darüber nicht ab.
Mehrere Studien und Fallberichte bringen MSG-Konsum – insbesondere in größeren Mengen oder bei empfindlichen Personen – mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Herzklopfen, Übelkeit und in seltenen Fällen Atembeschwerden bei Menschen mit Asthma in Verbindung. Die Studienlage bleibt gemischt, doch Verbraucherschützer argumentieren, dass eine starke Abhängigkeit von MSG Brühwürfel eher zu Chemie-Abkürzungen als zu konzentrierter Brühe macht.
Zudem nutzen viele industrielle Würfel günstige Fette. Palmöl und andere raffinierte Pflanzenfette tauchen häufig auf Zutatenlisten auf. Diese Öle verbessern Textur und Geschmack, bringen aber ernährungsphysiologisch wenig. In Kombination mit intensiver Salzung rücken sie ein Produkt, das als simple Küchenhilfe gedacht war, ernährungsseitig näher an einen ultraverarbeiteten Snack.
So lesen Sie ein Brühwürfel-Etikett in unter 20 Sekunden
Für Käuferinnen und Käufer muss diese Warengruppe nicht kompliziert sein. Ein kurzer Blick aufs Etikett filtert die größten Problemfälle. Drei Punkte sind am wichtigsten:
- Natrium pro zubereiteter Portion: Wählen Sie so niedrig wie möglich; „salzreduziert“ oder „ohne Zusatz von Salz“ macht oft einen großen Unterschied.
- Länge der Zutatenliste: Kürzere Listen mit gut erkennbaren Zutaten (Gemüse, Kräuter, Fleischextrakte) sprechen meist für eine geradlinigere Rezeptur.
- Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker: Achten Sie beim Vergleich auf viele „E“-Nummern, MSG oder vage Angaben wie „Aromen“.
Wenn Sie diese drei Signale kennen, wirken Supermarktregale plötzlich ganz anders. Ein Würfel, der nebenan identisch aussieht, kann beim Natrium fast doppelt so hoch liegen.
Einfache Wege, weniger zu verwenden – ohne Geschmack zu verlieren
Für viele Hobbyköchinnen und -köche sind Brühwürfel schwer aufzugeben. Sie sparen Zeit, sind monatelang haltbar und retten fade Gerichte. Statt komplett zu verzichten, senken kleine Anpassungen die Gesundheitsrisiken:
- Nur einen halben Würfel statt eines ganzen verwenden und mit Kräutern oder Pfeffer nachjustieren.
- Salzärmere oder salzfreie Varianten wählen und bei Bedarf am Ende eine Prise Salz hinzufügen.
- Sehr salzige Würfel nur gelegentlich in großen Mengen nutzen, nicht täglich für Suppe.
- Eine einfache selbstgemachte Gemüsebrühe kochen und in Eiswürfelformen einfrieren – für schnelle Portionen.
Selbstgemachte Brühe muss nicht aufwendig sein: Zwiebel, Karotte, Sellerie, Knoblauch und ein paar Kräuterzweige 45 Minuten in Wasser köcheln lassen, abseihen und einfrieren. Die entstehenden Würfel bestehen vor allem aus Gemüse und Wasser – nicht aus Chemie oder gepresstem Salz.
Was das für Käuferinnen und Käufer in Großbritannien und den USA bedeutet
Die Untersuchung konzentrierte sich auf Produkte, die in Frankreich verkauft werden, doch das Muster wirkt in britischen und amerikanischen Supermärkten schmerzhaft vertraut. Große multinationale Marken nutzen oft ähnliche Rezepturen in verschiedenen Märkten, leicht an lokale Vorlieben angepasst.
Käuferinnen und Käufer in London, Manchester, New York oder Chicago begegnen derselben Logik: Günstige Industriebrühen bauen auf drei Säulen – Salz, Fett und Geschmacksverstärker – um die Illusion von langsam gekochter Brühe zu erzeugen. Bio- oder Premiumlinien schneiden manchmal besser ab, aber nicht immer; das Etikett verdient weiterhin einen genauen Blick.
Egal, wo Sie leben: Brühwürfel stehen an der Schnittstelle von Bequemlichkeit und Ultraverarbeitung. Die gesündeste Wahl schreit selten am lautesten von der Verpackung.
Über Würfel hinaus: weitere leise Salzfallen in der Küche
Brühwürfel sind nur ein Teil des Natrium-Puzzles. Menschen, die zu Hause kochen, unterschätzen oft, wie viel Salz bereits über vorbereitete Zutaten ins Essen kommt, bevor sie überhaupt zum Salzstreuer greifen. Neben Würfeln verdienen mehrere Klassiker denselben skeptischen Blick:
- Sojasauce und ähnliche flüssige Würzmittel
- Fertigsaucen und Bratensaucen
- Vorgewürzte, marinierte Fleischprodukte und „ofengare“ Artikel
- Instantnudeln und „Cup-Suppen“
Wer sich angewöhnt, bei diesen Produkten den Natriumgehalt zu prüfen – nicht nur bei Chips oder Wurst – bekommt ein realistischeres Bild der täglichen Aufnahme. Manche Familien starten damit, nur ein oder zwei stark gesalzene Produkte gegen mildere Alternativen zu tauschen und passen Rezepte dann schrittweise an, damit sich der Geschmackssinn umstellt.
Für Menschen mit Bluthochdruck, Nierenerkrankungen oder Herzleiden können kleine Veränderungen bei solchen versteckten Quellen die langfristige Gesundheit mindestens so stark beeinflussen wie radikale Diätumstellungen. Eine einfache Entscheidung – etwa ein natriumarmer Würfel und dafür kein zusätzlicher Löffel Sojasauce – kann ein selbstgekochtes Essen wohltuend halten, ohne es zu einem Herz-Kreislauf-Risiko zu machen.
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