Für Frankreich war der Mond immer irgendetwas zwischen Naturwissenschaftsunterricht und romantischem Klischee, näher an Poesie als an Bordkarten. Und doch verwandeln sich im Stillen – in Hinterzimmern von ESA und NASA – Tabellen und Unterschriften in Flugpläne. In gedämpften Gesprächen kursieren einige Namen. Einer davon wirkt immer mehr wie der künftige „premier Français sur la Lune“. Europa und die USA haben bereits eingeschlagen. Der Deal ist real. Die Frage lautet nicht mehr, ob. Sondern wer als Erste*r die Leiter hinabsteigt.
Der französische Name, der in Houston und Paris geflüstert wird
In einem Besprechungsraum im Astronautenzentrum der ESA bei Köln blendet jemand eine Folie ein, auf der nur drei Worte stehen: „European lunar seat“. Alle lehnen sich nach vorn. Jemand von der NASA lächelt dieses straffe, diplomatische Lächeln, das bedeutet: Das ist fast durch. Am Telefon in einem Pariser Büro murmelt ein politischer Berater, Frankreich dürfe „diesen Zug nicht verpassen“. Willkommen in der neuen Weltraumdiplomatie, in der Prestige, Wissenschaft und nationales Ego dieselbe Umlaufbahn teilen.
In diesem Labyrinth taucht eine Figur immer wieder auf: Thomas Pesquet. Der Ingenieur, Musiker und Pilot aus Rouen, der zwei Aufenthalte auf der ISS in so etwas wie eine nationale Netflix-Serie verwandelt hat. Zeitungen verfolgen jeden Post, Kinder schicken Zeichnungen ins All, Marken zitieren ihn in Werbung. Er ist beliebt, extrem gut ausgebildet, spricht fließend Englisch und Russisch – und er weiß, wie man mit Kameras spricht, ohne robotisch zu wirken. Für eine Mondmission, deren Bilder milliardenfach wiederholt werden, ist das wichtiger, als viele zugeben möchten.
Hinter den Kulissen ist die Logik einfach. Die NASA kontrolliert Artemis, das Mega-Programm, das Menschen zurück zum Mond bringen soll. Europa liefert über die ESA Hardware: das Orion-Servicemodul, entscheidend, um die Kapsel in den Mondorbit zu bringen und wieder zurückzuholen. Kein Modul, keine Mission. Also verhandelte die ESA nicht nur Geld und Sichtbarkeit, sondern Sitze. Echte. Im Manifest. Die NASA bekommt Antrieb, Europa bekommt Astronautinnen auf Orion – und mindestens einer von ihnen soll irgendwann die Mondoberfläche betreten. Frankreich, größter ESA-Beitragszahler, hat deutlich gemacht: Es will seine Flagge im Staub.
Wie ein französischer Astronaut am Ende für den Mond ansteht
Der „Deal“ zwischen Europa und der NASA ist kein Mythos mehr. Die ESA hat offiziell mehrere Sitze auf kommenden Artemis-Missionen gesichert – jenen, die den Mond umkreisen und schließlich nahe dem Südpol landen sollen. Im Gegenzug liefert Europa die European Service Modules, eine Art Kraftwerk und Lebenserhaltungs-Rucksack, der an Orion „angeflanscht“ ist. Nicht glamourös, aber unbezahlbar. Artemis kann ohne ihn buchstäblich die Erdumlaufbahn nicht verlassen.
Auf dem Papier wirkt die Verteilung fast bürokratisch. Sitz A für einen Deutschen oder Italienerin, Sitz B für einen Französ*in, Sitz C für die Person, die zur richtigen Zeit die richtigen Kästchen ankreuzt. Doch so fühlt es sich in den Fluren nicht an. Für viele ESA-Insider ist das der größte diplomatische Coup in der Geschichte der Agentur. Größer als Columbus auf der ISS, größer als die ATV-Frachter. Ein echtes Ticket raus aus dem niedrigen Erdorbit. Als das Dokument, das europäische Sitze garantiert, unterschrieben wurde, sagte ein Ingenieur leise: „Wir haben uns gerade in die Geschichtsbücher eingekauft.“
Namen stehen in diesem Dokument natürlich nicht. Raumfahrtagenturen lieben Flexibilität, und Zeit liebt Überraschungen. Aber wenn man Kaderliste, Alter, Flugerfahrung, Trainingsstand, Sprachkenntnisse und politisches Gewicht betrachtet, schwimmt für die erste französische Mondlandung immer ein Name nach oben: Thomas Pesquet. Er wäre zum wahrscheinlichen Zeitpunkt einer europäischen Artemis-Landung um die 50. Für viele Jobs ist das „senior“, aber nicht für eine Mondmission als Kommandant. Buzz Aldrin war 1969 zwar 39, doch moderne Missionen betonen Erfahrung, nicht Jugend. Und Pesquet war bereits Kommandant auf der ISS – eine naheliegende Wahl, um eine Crew bei einer Mission mit extremem Einsatz zu führen oder mitzuführen.
Auch die NASA weiß, was sie mit ihm bekommt. Er hat mit US-Crews gearbeitet, versteht amerikanische Missionskultur und passt zum aktuellen Trend: Astronaut*innen, die komplexe wissenschaftliche Operationen fahren können und dann nahtlos in ein Live-Interview springen, ohne unter dem Druck zu zerbrechen. Seien wir ehrlich: Das macht niemand „einfach so“ jeden Tag. Er gehört aber zu den wenigen, die schon etwas sehr Ähnliches erlebt haben: frei schwebend im Raumanzug, Funk im einen Ohr, Social Media im anderen.
Was sich ändert, wenn man für den Mond trainiert – nicht für die ISS
Training für eine Mondmission ist im Vergleich zum ISS-Programm eine völlig andere Welt. Man übt nicht nur Mikrogravitationsexperimente und Andockverfahren. Man lernt, in einem Sechstel der Erdschwerkraft zu gehen, zu stürzen, ohne sich und einen mehrere Millionen Euro teuren Anzug zu ruinieren, und Gelände zu lesen, in dem ein falscher Schritt einen tiefen, schattigen Krater verbergen kann. Simulatoren beinhalten inzwischen hartes Licht, blendende Kontraste – sogar Staubstürme aus künstlichem Regolith, um nachzuahmen, wie feiner Mondstaub an allem klebt.
ESA und NASA schicken Crews bereits in dunkle Vulkanfelder auf Lanzarote oder Hawaii, wo sie tagelang in klobigen Anzügen unterwegs sind und Steine bewegen, die bedeutungslos wirken, aber entscheidende Reflexe schulen. Man übt immer wieder diese simple Bewegung: bücken, greifen, drehen – ohne kostbaren Sauerstoff zu verschwenden. An guten Tagen wirkt es fast choreografiert. An schlechten ist es Chaos und Schweiß. Dort sieht man, wer einen klaren Kopf behält, wer ruhig bleibt, wenn Visiere beschlagen und Werkzeuge wegrutschen.
Der andere große Unterschied ist die Distanz. Auf der ISS sind Houston oder Toulouse per Funk nur Millisekunden entfernt. Auf dem Mond wächst die Verzögerung – und plötzlich ist man allein wie noch keine europäische Crew zuvor. Astronaut*innen, die für Artemis trainieren, arbeiten stärker an Autonomie: Probleme diagnostizieren, ohne auf die Bodenstation zu warten; Pläne anpassen, wenn Licht oder Gelände die Simulationen verraten. Wie ein ESA-Trainer kürzlich erklärte:
„Wir schicken keine Touristinnen zum Flaggenpflanzen. Wir schicken Geländewissenschaftlerinnen, die zufällig auch Testpilot*innen sind.“
Diese Haltung prägt jede Trainingsstunde.
Mondtraining bringt außerdem eigene mentale Fallen mit sich. Der Druck der „Premieren“ kann Schlaf und Fokus zerfressen. Man ist nicht mehr „nur“ Crewmitglied; man ist die Person, die Kinder später in Schulbücher zeichnen. Das kann einen blockieren oder antreiben. Einige Astronaut*innen geben zu, dass sie weniger der Start erschreckt als der Moment, in dem die ganze Welt schweigend zusieht, wie sie die Leiter hinabsteigen. Der Gedanke, auf der letzten Stufe zu stolpern, fühlt sich schlimmer an als das Risiko eines kleineren technischen Problems.
Zukünftige Mondcrews werden bereits darauf gecoacht. Visualisierung, Atemroutinen, sogar einstudierte Sätze für den ersten Schritt. Nicht um Neil Armstrong zu kopieren, sondern um kein Blackout zu haben. Es gibt ein stilles Verständnis: Niemand will, dass ein historisches Wanken zum ewigen Meme wird. Doch jenseits der Witze wächst eine ernste Checkliste: Wie schützt man die Augen vor brutalem Glare? Wie reagiert man, wenn ein Partner stürzt? Was sagt man, wenn ein Experiment live scheitert? Einige der besten Ratschläge, hinter verschlossenen Türen geteilt, passen in eine kleine Liste:
- Sprich langsam, auch wenn dein Gehirn rast.
- Bewege dich, als wäre alles zerbrechlich – auch deine eigenen Knochen.
- Denk daran: Die Kamera blinzelt nie, auch wenn du es tust.
Die Mondlandung, die ein bisschen allen gehören wird
Wenn und falls ein französischer Astronaut den Mond betritt, wird die Szene nicht nur von „La Marseillaise“ und Trikolore-Flaggen handeln. Es wird darum gehen, dass Europa einen sehr sichtbaren Platz in einem Rennen beansprucht, das weitgehend von amerikanischen Budgets und chinesischen Ambitionen dominiert wird. Für die Leserinnen, die auf dem Handy scrollen, wirkt es vielleicht nur wie eine weitere Push-Meldung. Für einen Teenager*in aus einer Kleinstadt bei Lyon oder Lille könnte es das erste Mal sein, dass er oder sie jemanden mit ähnlich klingender Stimme auf einer anderen Welt laufen sieht.
Hinter dem Spektakel steckt auch ein tieferer Wandel. Artemis soll kein einmaliger Stunt wie Apollo sein. Es ist als Langstrecke gebaut: aufeinanderfolgende Missionen, eine Station um den Mond, Basen an der Oberfläche, Bergbauperspektiven, neue Wissenschaft zu Eis und Strahlung. Dass Europa einen Platz an diesem Tisch hat, bedeutet Einfluss darauf, was erforscht wird, was gebaut wird, welche Werte verteidigt werden, wenn Menschen sich weiter von der Erde entfernen. Wer Anerkennung bekommt. Wer am Ende die Schuld trägt.
Wir alle kennen diesen Moment, wenn ein nationales Ereignis plötzlich sehr persönlich wird: ein WM-Finale, eine große Wahlnacht, ein Rekord, gebrochen von jemandem, der deine Sprache, deine Stadt, deinen Akzent teilt. Ein französischer Stiefel im Mondstaub könnte genau dieses seltsame Gefühl auslösen: Stolz, gemischt mit einer leisen Angst, wohin das alles führt. Der Name auf dem Missionsabzeichen wird vermutlich Pesquets sein – oder der von jemandem, der mit ihm trainiert hat, geprägt vom selben europäischen Ökosystem. Der Rest ist noch nicht geschrieben. Und diese Ungewissheit ist, ganz still, Teil der Faszination.
| Point clé | Détail | Intérêt pour le lecteur |
|---|---|---|
| Probable premier Français sur la Lune | Thomas Pesquet, profil idéal par expérience, âge et visibilité médiatique | Met un visage connu sur un projet souvent perçu comme abstrait |
| Accord Europe–NASA | Échange de modules de service Orion contre des sièges sur Artemis | Montre comment la diplomatie spatiale façonne qui marche réellement sur la Lune |
| Enjeux du retour sur la Lune | Programme Artemis à long terme : science, bases lunaires, coopération internationale | Permet de comprendre pourquoi cette mission comptera bien au-delà de la “simple” première empreinte française |
FAQ
- Wer ist am wahrscheinlichsten die erste französische Person auf dem Mond? Aktuell gilt Thomas Pesquet als stärkster Kandidat – dank seiner zwei ISS-Missionen, seiner früheren Rolle als ISS-Kommandant und seiner zentralen Position im ESA-Astronautenkorps.
- Gibt es eine offizielle Bestätigung einer französischen Mondlandung? Weder ein konkreter Name noch ein Datum sind offiziell bestätigt. Die ESA hat jedoch Astronaut*innen-Sitze auf zukünftigen Artemis-Missionen gesichert – darunter solche in den Mondorbit und später zur Oberfläche.
- Warum braucht die NASA Europa für Artemis? Europa liefert die Orion-Servicemodule, die Antrieb, Strom und Lebenserhaltung bereitstellen. Ohne sie kann die NASA keine Crews sicher in den Mondorbit und zurück bringen.
- Wann könnte ein französischer Astronaut tatsächlich auf dem Mond laufen? Zeitpläne ändern sich, aber ein realistisches Fenster liegt Ende der 2020er bis Anfang der 2030er Jahre – abhängig von Artemis-Testflügen, Hardware-Reife und politischer Kontinuität auf beiden Seiten des Atlantiks.
- Wird diese Mondmission für normale Menschen wirklich etwas verändern? Indirekt ja: Sie treibt Technologien (Energie, Materialien, Robotik), prägt Europas Rolle im All und kann Bildungs- und Forschungsprioritäten für eine ganze Generation beeinflussen.
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